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Studie „Smart Parking and Charging“:

Ökosystem aus Anbietern schafft Rundum-Services für Nutzer

Ticketing wichtiger Baustein im Parkprozess

Interview mit Britta Wesselmann zur smarten Parkraumbewirtschaftung

Die Elektromobilität gewinnt immer mehr an Bedeutung. Zwischen 2011 und 2021 ist die Anzahl der Elektroautos in Deutschland von 2.300 auf fast 440.000 gestiegen. Was bedeutet diese Entwicklung für die Ladeinfrastruktur in Parkhäusern? Diese Frage hat das Center Metropolitan Cities der RWTH Aachen Campus in der Konsortialstudie „Smart Parking and Charging“ untersucht – mit Unterstützung von Arvato Financial Solutions. „Wir wollten besser verstehen, was sich Verbraucher wünschen und wo die Herausforderungen für Unternehmen liegen“, sagt Britta Wesselmann, die den Prozess als Expertin für Subscription und Parken-Prozesse begleitet hat. Im Interview spricht sie über Nutzerpräferenzen, die enormen Potenziale der Digitalisierung für Ticketing und Charging sowie den gesamten Wandel zur smarten Parkraumbewirtschaftung.

Britta Wesselmann
Britta Wesselmann
Account Manager Mobility

Über ein Jahr lang war Ihr Unternehmen Teil der Konsortialstudie „Smart Parking and Charging“. Was hat Arvato Financial Solutions dazu bewogen, bei diesem Projekt mitzumachen?

WESSELMANN | Die Elektromobilität ist ein absolutes Trendthema, nicht nur in Deutschland. Das Umweltbewusstsein der Menschen steigt, und damit auch das Interesse an Mobilität mit alternativen Antrieben. Es steigt aber auch der Druck, entsprechende Angebote zu liefern. Auf die Automobilindustrie wie auf die Branchen, die die Versorgungsinfrastruktur bereitstellen. Dieses gesamte Ökosystem entwickelt sich weiter, und wir wollen dabei sein. Dafür müssen wir aber besser verstehen, was die einzelnen Marktteilnehmer bewegt. Was sich Verbraucher wünschen, wo die Herausforderungen für Unternehmen liegen. Genau das hat uns die Teilnahme an der Studie ermöglicht. Uns mit anderen Marktplayern auseinanderzusetzen, Problemstellungen und konkrete Lösungsansätze zu diskutieren.

Die Studie basiert auf zahlreichen Workshops sowie einer Nutzerumfrage. Vor kurzem wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Welche Erkenntnis ist für Sie die wichtigste?

WESSELMANN | Für die Verbraucher sind das Ticketing und die entsprechenden Zahlungsmöglichkeiten immer noch die wichtigsten Bausteine im Parkprozess. Neue Technologien bieten hier eine Menge Potenzial, selbst im konservativen Deutschland. Mit über 40 Prozent bevorzugt die große Mehrheit der Nutzer zwar nach wie vor physische Parktickets mit Barzahlung am Automaten. Mich hat aber überrascht, dass auch aktuell noch wenig verbreitete Ticketing- und Bezahl-Optionen auf eine vergleichsweise große Offenheit stoßen.

Können Sie dafür Beispiele nennen?

WESSELMANN | Ein Beispiel ist das Ticketing per Kennzeichenregistrierung. Es liegt mit Beliebtheitswerten von knapp 20 Prozent noch vor dem Handyticket. Und die Bezahlung per App ist mit 15 Prozent die drittbeliebteste Zahloption. Als Grund für die Auswahl des Parkhauses geben 26 Prozent der Verbraucher sogar die Möglichkeit an, einen Parkplatz via App zu reservieren und zu bezahlen.

Welche Potenziale ergeben sich aus diesen Nutzerpräferenzen für Arvato Financial Solutions?

WESSELMANN | Für uns entsteht aus dieser gesamten Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung eine riesige Chance. Wir können verschiedenen Stakeholder-Gruppen entlang der gesamten Customer Journey erheblichen Mehrwert bieten. Zum Beispiel bei der Zahlungsabwicklung. Hier bedenken viele Anbieter in der Praxis oft nur den Happy Path. Aber was ist, wenn Ausnahmen oder Fehler auftreten? Wenn Zahlungen ausfallen oder KFZ-Halter nicht bekannt sind. Hier können wir unterstützen. Ebenso wie bei digitalen Zahlprozessen. Ob sich hier künftig konsolidierte Abrechnungen von Parking und Charging durchsetzen oder andere Modelle – letztlich entscheidet das der Verbraucher. Aber wir haben die passenden Lösungen für sämtliche Abrechnungsmöglichkeiten und -modalitäten parat.

Neben dem Ticketing wird künftig auch die Ladeinfrastruktur ein entscheidendes Argument für die Parkhauswahl sein.

WESSELMANN | Absolut. Fast 60 Prozent der befragten Nutzer geben an, dass die Ladeinfrastruktur ihre Parkhauswahl beeinflusst. Im Ranking der Entscheidungskriterien ist aber mit über 20 Prozent immer noch die Lage auf Platz eins. Das ist nicht weiter verwunderlich. Die meisten Menschen nutzen ein Parkhaus, wenn sie einkaufen oder essen gehen, ein Event besuchen oder zur Arbeit müssen. Es liegt also in der Natur der Sache, dass die Nähe zum Zielort der wichtigste Grund ist, ein bestimmtes Parkhaus anzufahren. Auch für die Fahrer eines Elektroautos. Die Ladeinfrastruktur belegt mit fast 15 Prozent Rang 3, ganz knapp hinter dem Preis.

Die Kosten sind ein kritischer Faktor. Nur ein Drittel der Nutzer kann sich vorstellen, einen Aufpreis für eine höhere Ladeleistung zu zahlen. Wie passt das zusammen?

WESSELMANN | Der Gedanke „Geiz ist immer noch geil“ drängt sich auf. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn wir sehen, dass Menschen mit einem höheren Einkommen tendenziell auch eine höhere Bereitschaft haben, für die maximale Ladeleistung zu zahlen. Vor allem aber zeigen sich die Menschen offen für Aufpreise, die Parkhäuser zum Einkaufen oder Essen gehen nutzen. Wenn das Auto nur vergleichsweise kurz steht und geladen werden kann, bietet das Schnellladen einen echten Mehrwert. Es könnte sich also lohnen, in einkaufsnahen Lagen gezielt in die entsprechende Infrastruktur zu investieren.

Wir haben nun viel über die Nutzung von Parkhäusern gesprochen. Gibt es weitere zukunftsweisende Parking-Trends?

WESSELMANN | Mobility Hubs entwickeln sich zum absoluten Megatrend. Das sind Parkflächen, die neben Umsteigemöglichkeiten auf andere Verkehrsmittel auch Zusatzservices des typischen Alltags bieten, beispielsweise Paketstationen und Ladepunkte. Sie sind attraktiv, weil sie sich an strategischen Knotenpunkten befinden und den Parksuchverkehr verhindern können. So tragen sie dazu bei, die CO2-Emissionen zu reduzieren, aber auch lokale Emissionen wie Feinstaub, Stickoxide und Lärm. Also Faktoren, die direkte Auswirkungen auf die Gesundheit von Bewohnerinnen und Bewohnern urbaner Räume haben. Daraus ergeben sich monetäre Anreize, in den Betrieb dieser Mobility Hubs zu investieren, zumindest teilweise.

Welche weiteren Handlungsempfehlungen gibt die Studie den Anbietern von Mobility- und Utility-Services mit auf den Weg?

WESSELMANN | Die wichtigste Empfehlung ist, das gesamte Parkraumbewirtschaftungssystem in allen Schritten der Customer Journey von den Bedürfnissen der User her zu denken. Von der Anfahrt und Auswahl eines Parkhauses bis zum Bezahlen. Das klingt schon fast abgedroschen, weil wir dieses Credo so oft und in allen möglichen Zusammenhängen zu Ohren bekommen. Aber Fakt ist, beim Parken und Chargen besteht in der Praxis noch sehr viel Luft nach oben.

Was sind die Stellschrauben, um den gesamten Park- und Ladeprozess für Nutzer so optimal wie möglich zu gestalten?

WESSELMANN | Wesentliche Touch Points in der Customer Journey sind zum Beispiel Informationen zur Unterstützung der Parkhauswahl. Das kann per App erfolgen, dieses Beispiel habe ich schon genannt. Oder Zusatz-Services während des Parkens, wie Paketzustellungen in den Kofferraum. Und natürlich eine automatisierte Abrechnung und Verwaltung von Bezahloptionen. All diese Transaktionen müssen blitzschnell und sicher im Hintergrund ablaufen, damit sie nicht zu Lasten der Nutzerfreundlichkeit gehen. Deshalb spielen Daten und Technologie eine wesentliche Rolle. Ein Bereich, in dem Arvato Financial Solutions schon jetzt Vorreiter ist.

Was muss konkret passieren, um den skizzierten Wandel zu einer smarten Parkraumbewirtschaftung in der Praxis anzustoßen?

WESSELMANN | Kein Unternehmen kann im Bereich Parking und Charging alleine alle Anforderungen von morgen abdecken. Eine intelligente Parkraumbewirtschaftung, die sich an Nutzererlebnissen orientiert und zugleich funktionierende Businessmodelle aufbaut, wird es nur mit einem Ökosystemansatz geben. Die Herausforderung besteht also zunächst darin, alle Marktteilnehmer unter einen Hut zu bekommen. Spezialisten sollten sich daher im ersten Schritt Partner für all die Bereiche suchen, die sie nicht selbst abdecken können – vom Brandschutz bis zum Bezahlen.

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