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Interview zur Gebührensenkung: "Wir wollen Kunden zu Fans machen"

Paigo wird seine Inkassogebühren schon zum 1. März 2021 senken. Obwohl das gesetzlich erst für Oktober vorgesehen ist. Wir wollten genauer wissen, was geplant ist und haben Sven Schneider und Florian Lampe, beide Geschäftsführer bei Paigo, zum Interview getroffen.

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Lassen Sie uns erst einmal ein bisschen zurück gehen. Wie war Ihre spontane Reaktion, als Sie vor drei Jahren das erste Mal von den Plänen zur gesetzlichen Gebührensenkung gehört haben? 

Florian Lampe: Sehr überrascht war ich ehrlich gesagt nicht. In den letzten Jahren hat die Frage nach der Höhe von Inkassogebühren auch medial immer mehr Aufmerksamkeit erhalten. Zudem ist es nicht das erste Mal, dass die Inkassobranche Gegenstand von gesetzgeberischer Regulierung wird. 

Sven Schneider: Mir ging es ähnlich. Ich dachte, dass diese Initiative massive Auswirkungen auf uns haben wird. Mein zweiter Gedanke war dann gleich, wie gehen wir damit um. 

Was ist damit genau gemeint? 

Sven Schneider: Uns ist klar geworden, dass wir digitaler und effizienter werden müssen. Wenn wir den Weg der Regulierung aktiv begleiten wollen, müssen wir uns verändern – das Unternehmen und uns selbst. Damit wir nicht nur mit der Regulierung Schritt halten, sondern dann besser aufgestellt sind als vorher. 

Im Oktober tritt die Gebührensenkung nun endlich in Kraft, wie finden Sie das als Inkassounternehmen?  

Florian Lampe: Zunächst einmal ist es wichtig, das Gesetz nicht nur auf die Gebührensenkung zu beschränken. Denn leider gibt es immer noch Praktiken in unserer Branche, die gehören einfach abgeschafft. Hier macht sicher die Pflicht zur Nennung der Aufsichtsbehörde Sinn. Auch die Aufklärung der Verbraucher über die Wirkung von Schuldanerkenntnissen ist gut. Allerdings geht, wie ich finde, der gute Ansatz des Gesetzgebers bei den Inkassokosten doch einen Schritt zu weit. Allen Mandanten, deren Inkassopartner nicht so gut vorbereitet sind wie wir, macht es die neue Gebührenregulierung ab Oktober deutlich schwerer, effizient und kostendeckend Außenstände einzuholen. Langfristig schadet das allen Verbrauchern, weil sich das in steigenden Preisen auswirken wird. 

Sven Schneider: Richtig, der Einschnitt ist erst einmal schmerzlich. Mittlerweile sind wir auf die Gebührensenkung gut vorbereitet, werden also mit den Herausforderungen klarkommen. Deshalb schaue ich inzwischen aus einer Perspektive der Chancen auf das Thema und sehe durchaus Vorteile. Das Gesetz schafft klare Standards, es hilft uns auch ein Stück weit vom schlechten Image der Branche wegzukommen. 

Sie haben zur Überraschung der gesamten Inkassobranche verkündet, Ihre Gebühren vorzeitig zum 1. März zu senken. Warum machen Sie das? 

Florian Lampe: Wir sehen jeden Tag, dass in der Pandemie Verbraucher und Unternehmen leiden. Gerade jetzt ist es wichtig Verbraucher zu entlasten und Unternehmen mit schnelleren und höheren Zahlungsrückflüssen die Liquidität zu sichern, die sie dringend benötigen. Deshalb haben wir es als unseren gesellschaftlichen Auftrag gesehen, unseren Beitrag jetzt zu leisten. 

Sven Schneider: In der jetzigen Situation erschien es uns einfach abstrus, eine Gebührensenkung vor uns herzuschieben, die im Oktober sowieso kommt. Es passt auch nicht zu Paigo, also zu unserer Vorstellung von Fairkasso. Schon gar nicht in einer Situation, in der durch die Pandemie viele Menschen in einer finanziell schwierigen Situation sind. 

Kostet dieser Schritt Paigo nicht eine Menge Geld? Muss jetzt an Qualität und Leistung gespart werden?  

Sven Schneider: An Qualität und Leistung werden wir mit Sicherheit nicht rütteln. Wir werden vielmehr unsere digitalen Services massiv ausbauen. Deshalb haben wir vehement die Transformation unseres Geschäfts vorangetrieben. Die sichtbare Antwort darauf heißt Paigo – unsere neue Marke und Technologieplattform. 

Florian Lampe: Genau, wir beide sehen hier vor allem die Chancen – auch wenn Veränderung nicht selten als Belastung empfunden wird. Wer wie wir aber die Vorteile nutzt, die sich durch die konsequente Digitalisierung ergeben, der wird gestärkt aus dieser Phase der Disruption hervorgehen. Wir glauben, dass wir durch unsere Haltung und den Weg, den wir als Fin-Tech eingeschlagen haben, unsere Kunden – die, die es schon sind und die, die es noch werden – zu Fans von Paigo machen können. 

Heißt das, Paigo ist in der Lage die Gebühren jetzt vorzeitig zu senken, weil Sie die Digitalisierung rechtzeitig vorangetrieben haben? 

Sven Schneider: Wir haben uns in den letzten drei Jahren intensiv auf die heutige Situation vorbereitet und in eine einheitliche Plattform investiert. Das versetzt uns in die Lage, beispielsweise viel passgenauer zu kommunizieren. Wer als Konsument digital bezahlen will, erhält also nicht den fünften Brief per Post, sondern kann das auf paigo.com direkt tun. Ratenzahlungen bieten wir ebenfalls hier an – digital und auf den Verbraucher zugeschnitten, ohne dass dort Sachbearbeiter involviert sind. So reduzieren wir Streuverluste drastisch. Das alles hilft den Konsumenten und senkt die Aufwände. Davon profitieren natürlich unsere Auftraggeber. 

Wie wirkt sich die Gebührensenkung denn konkret auf Ihre Mandanten aus? 

Florian Lampe: Nach unserer Überzeugung wirkt die Gebührensenkung ganz unmittelbar auf die Unternehmen. Denn die Themen Liquidität und Kundenbindung sind mitten in der Pandemie extrem wichtige bei Mandanten. Außerdem entlastet die Gebührensenkung Verbraucher in einer Situation, in der viele Konsumenten emotional und wirtschaftlich durch die Pandemie gebeutelt sind. Somit stärken wir mit unserem Vorgehen auch die Kundenbeziehung unserer Mandanten. 

Gibt es denn schon erste Reaktionen? 

Florian Lampe: Die waren durchweg positiv. Viele Mandanten fühlen sich durch unsere Initiative zusätzlich darin bestätigt, Paigo als ihren Dienstleister im Forderungsmanagement ausgewählt zu haben. Manche gehen sogar noch weiter und sehen jetzt den richtigen Moment dafür, ihre Partnerschaft mit Paigo auch öffentlich zu kommunizieren. Das freut uns natürlich sehr. 

Beteiligen Sie Ihre Mandanten an den Kosten der vorzeitigen Gebührensenkung, das wäre ja naheliegend? 

Florian Lampe: Wir treten mit Paigo an, neue Wege im Forderungsmanagement zu gehen und die finanziellen Beziehungen zwischen Menschen und Unternehmen zu vereinfachen. Hierfür suchen wir Anhänger und Mitstreiter, ja Fans. Wir spüren zunehmend die Bereitschaft, sich stark einzubringen, beispielsweise in Form von gemeinsamer Kommunikation. Im Einzelfall kann auch eine wirtschaftliche Beteiligung durchaus sinnvoll sein. Die Unterstützung und das positive Feedback unserer Kunden sind uns ein großer Antrieb. 

Abschließend: Wo wollen Sie mit Paigo künftig hin, was kommt als nächstes?  

Florian Lampe: Paigo ist die Antwort im Forderungsmanagement auf den gesellschaftlichen Wandel, den wir überall erleben. Indem wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen, erhöhen wir für unsere Mandanten die Chance auf Zahlung und stärken ihre Kundenbeziehungen. Durch eine noch frühere Einbeziehung unserer Mandanten in die Produkt- und Lösungsentwicklung, sowie durch neue Technologien und agilere Arbeitsmethoden, entwickeln wir schneller passgenaue Branchenlösungen. So helfen wir Mandanten, ihre Prozesse im Forderungsmanagement zu optimieren, damit möglichst kein Inkassofall entsteht. 

Sven Schneider: Mit der Gebührensenkung unterstreichen wir unsere Haltung und Positionierung als Fairkasso Marke. Aber wir wollen darüber hinaus gehen. Wir übernehmen Verantwortung für Verbraucher, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Dazu gehört, Florian hat es beschrieben, dass konkrete Versäumnis aus dem Weg zu räumen. Darüber hinaus wollen wir Menschen dabei helfen, den Überblick über ihre Finanzen zurückzugewinnen und diese wieder in den Griff zu bekommen. Da arbeiten wir ganz konkret an digitalen Features, die dies unterstützen. Auf der anderen Seite geht es darum, präventiv zu helfen und durch finanzielle Bildung einen Beitrag zu leisten. 

Danke für das Gespräch. 

 

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