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Hohe Energiepreise: Zeit für Entgegenkommen

Stephan Scherer
26.11.2021 | 3

Wir stehen vor herausfordernden Zeiten: Bereits vor rund einem Jahr hatte ich in meinem Blogbeitrag skizziert, dass den Menschen in Deutschland wegen Corona hohe Nachzahlungen für Energierechnungen ins Haus stehen. Schlussendlich ist das auch so eingetroffen. Seither hat sich die Lage nicht entspannt, im Gegenteil: Die Preise für Strom, Öl und Gas klettern in schwindelerregende Höhen. Allein in den letzten Tagen hat eine Vielzeit an Energieversorgern ihre Preise massiv erhöht. Der Grund dafür sind niedrige Lagerbestände, eine steigende Nachfrage angesichts des nahenden Winters sowie ein eingeschränktes Angebot. Nach Angaben von Energieexperten mehren sich daher auch die Panikkäufe, was die Preise immer weiter nach oben treibt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Pandemie im Herbst 2021 wieder so richtig Fahrt aufnimmt, wodurch viele Arbeiternehmer weiterhin im Homeoffice arbeiten werden. Hohe Preise treffen also auf einen steigenden Energiebedarf. Eine ungünstige Kombination. Jedenfalls dann, wenn Verbraucher auf moderate Preise hoffen. 

Hohe Nachzahlungen stehen ins Haus

Die Folgen sind absehbar: Auf zahlreiche Menschen in Deutschland kommen saftige Nachzahlungen und weit nach oben korrigierte Abschläge zu. Nicht alle werden in der Lage sein, diese Rechnungen zu bezahlen. Besonders Geringverdiener geraten hier schnell in Schwierigkeiten, da ihr Einkommen in einigen Fällen schlicht zu niedrig ist, um alle anstehenden Forderungen zu begleichen. Nicht umsonst fordern daher Sozialverbände, sozial Schwachen Heizkostenzuschüsse zu gewähren. „Die Bundesregierung ist gefordert, gerade finanzschwache Familien zu unterstützen und die Heizkosten-Explosion abzumildern“, meint beispielsweise Gerd Landsberg, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, spricht sich außerdem dafür aus, das Wohngeld für Menschen mit geringen Einkommen jährlich an die steigenden Energiekosten anzupassen. Es liegt nun an der Politik, die Schwächsten der Gesellschaft zu unterstützen.

Aber auch Energieversorger können einen Teil zur Linderung beitragen, denn nicht nur für Geringverdiener spitzt sich die Lage derzeit zu. So werden sich Menschen mit mittleren Einkommen sehr genau überlegen müssen, welche Rechnung sie zuerst bezahlen. Die von Grundversorgern, die zur Stromlieferung verpflichtet sind, stehen dabei häufig an letzter Stelle. Bei Energieversorgern wird all dies dazu führen, dass sich die offenen Forderungen bei ihnen mehren. Dies kann auch für die Unternehmen selbst zur überbordenden Belastung werden: So mussten einige grüne Stromanbieter aus regenerativen Quellen bereits Insolvenz anmelden.

Wie also sollten die Stadtwerke und EVU mit der herausfordernden Lage umgehen?

„In dieser außergewöhnlichen Situation sind individuelle Lösungen gefragt, die nah am Menschen sind.“ – Stephan Scherer

Im Grunde haben alle Stadtwerke und EVU dasselbe Anliegen: Kein Kunde soll im Winter zu Hause im Kalten und Dunklen sitzen müssen. Entsprechend sollten Unternehmen der Energiebranche den Menschen entgegenkommen und individuell auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen. In dieser außergewöhnlichen Situation sind individuelle Lösungen gefragt, die nah am Menschen sind. Dies kann beispielsweise über individuelle Mahnverfahren mit automatisierten Prozessen erfolgen, die eine verbraucherorientierte Ansprache ermöglichen. So können zum Beispiel Zahlungserinnerungen gezielt per E-Mail, SMS oder über ein Online-Portal gesendet werden – je nach Altersgruppe und Gerätevorlieben des Verbrauchers. Auch die Zahlarten sind individuell anpassbar. Außerdem lohnt es sich beim Inkasso, Betroffenen Ratenzahlungen über einen längeren Zeitraum hinweg anzubieten. Wer hier geduldig ist und individuell passende Lösungen sucht, kann damit rechnen, dass seine Forderungen beglichen werden – und die langfristige Kundenbeziehung gestärkt und schlussendlich zielführend erhalten wird.

Fazit:

Der Winter 2021/2022 stellt Energieversorger wie Verbraucher vor große Herausforderungen. Individuelle Zahlungslösungen sowie digitale und innovative KI-basierte Finanzprozesse können dabei helfen, soziale Härten abzumildern und die Kundenbindung zu stärken. Fortes fortuna adiuvat.

Haben Sie Fragen zum Thema?

Lernen Sie unseren Experten kennen
Stephan Scherer
Senior Sales-Manager & Sales Projects Collection Germany

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