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Steigende Preise, höhere Zahlungsausfälle: Wie es Energieversorger und Verbraucher sicher durch die Krise schaffen

Stephan Scherer
31.05.2022 | 3 Minuten

Kaum ein Tag ohne neue Höchstpreise auf den Energiemärkten in Deutschland. Ganz im Gegenteil: Nahmen die Kosten für Erdgas, Öl und Kohle in den vergangenen Monaten bereits immer weiter zu, hat sich die Aufwärtsspirale mit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine noch einmal deutlich beschleunigt. So sind die Preise für Verbraucher in Deutschland im März um knapp 2,5 Prozent zum Vormonat gestiegen, während die Inflation von 5,1 auf 7,5 Prozent nach oben geklettert ist. Damit nähert sich die Inflation in Deutschland immer stärker dem Rekordhoch des Ölpreisschocks der 70er Jahre an. Die Treiber dieser Entwicklung? In erster Linie die immer höheren Verbraucherpreise für Energie. Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben sie rund 39 Prozent zugelegt –­ könnten angesichts eines möglichen Gasembargos allerdings noch weiter steigen.

 

Verbraucher und Wirtschaft am Limit

Viele private Haushalte befinden sich aufgrund der Energiekrise bei Strom und Gas allerdings schon jetzt am Limit. So dürften vor allem Geringverdiener die saftigen Nachzahlungen und korrigierten Abschläge der kommenden Monate nur noch mit großem Verzicht stemmen können. Immerhin macht sich die Inflation nicht nur bei Energiekosten in ihrem Portemonnaie deutlich bemerkbar, wenngleich hier erheblich Preisanstiege drohen. Mit Blick auf den Frühling und Sommer rechnen Energieversorger deshalb bereits mit deutlichen Verzögerungen und Zahlungsausfällen – Unterstützungen gegen steigende Energiepreise durch die Politik hin oder her. Ein Stresstest für die Versorger, die aufgrund der ausstehenden Zahlungseingänge mit mehr Personalaufwänden und weniger Liquidität rechnen müssen. Entsprechend groß ist schon jetzt der Druck auf das Personal im Forderungs- und Debitorenmanagement. Dabei ist die Personaldecke aufgrund der Pandemie durchaus volatil. Um mit der hohen Belastung zurecht zu kommen, sollten Energieversorger deshalb verstärkt auf externe Lösungen zurückgreifen. Sowohl um ihren eigenen Forderungsbestand so gering wie möglich zu halten als auch im Interesse der Verbraucher. Denn neben Geringverdienern spitzt sich mittlerweile auch für Menschen mit mittleren Einkommen die Lage zu. Und bei Überlegungen, welche Rechnung zuerst zu bezahlen ist, stehen Grundversorger häufiger an letzter Stelle. Umso wichtiger ist es, dass nicht nur die Politik, sondern auch Energieversorger aufs Gaspedal treten und außerhalb der gängigen Muster nach Lösungen suchen: Ungewöhnlich Zeiten, erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, doch die steigenden Energiekosten für Verbraucher in Deutschland bei Strom und Gas können auch durch geschicktes Forderungsmanagement abgefedert werden.

 

Individuelle Lösungen bei allgemeiner Unsicherheit

Auf Zahlungsverzug folgt Mahnung – bis der Kunde zahlt oder es zum Inkassoprozess kommt. So der übliche Vorgang bei Unternehmen, die ihre Rechnungen nicht bezahlt bekommen.  Die näheren Umstände für den Zahlungsverzug beim Kunden spielen dabei häufig keine Rolle, fehlen den meisten Unternehmen schlicht die Daten und technischen Möglichkeiten individuell auf ihre Kunden einzugehen. Ein datengetriebenes und verbraucherorientiertes Forderungsmanagement bietet hier jedoch zahlreiche Möglichkeiten, um zahlungsfähige von zahlungsunfähigen Kunden zu unterscheiden und passende Finanzierungsoptionen anzubieten. Auch Energieversorger können jetzt von derartigen Angeboten profitieren. Etwa, wenn es um die Nachzahlungen, Abschläge oder Jahresendabrechnung geht. Anstatt auf eine nicht bezahlte Rechnung mit einer Mahnung per Post zu reagieren, bietet sich ihnen so die Möglichkeit, einen Kunden zuerst auf etwaige Unterstützungsprogramme oder Gutscheine der Politik hinzuweisen oder ihm alternative Finanzierungsmöglichkeit, wie eine Ratenzahlung auf die Nachzahlung oder Jahresendabrechnung, anzubieten.

 

Erst danach sollten sie mit einer Auslösung des Mahnverfahrens beginnen – idealerweise individualisiert und vollautomatisch. So können zum Beispiel Zahlungserinnerungen mit einer kundenorientierten Ansprache gezielt per E-Mail, SMS oder über ein Online-Portal gesendet werden – je nach Altersgruppe und präferierter Mediennutzung. Auch die Zahlarten sind individuell anpassbar. Außerdem lohnt es sich Verbrauchern beim Inkasso mit langlaufenden Ratenzahlungen auszuhelfen. Wer hier entsprechende Prozesse zeitnah etabliert, kann zwar nicht kurz-, aber dennoch mittelfristig mit mehr beglichenen Forderungen und geringeren Kündigungszahlen rechnen. Vor diesem Hintergrund sollten Energieversorger die derzeitige Stresssituation auch als Chance begreifen, bietet sich ihnen jetzt die einmalige Gelegenheit, ihre Kundenbindung zu stärken, soziale Härten abzufedern und gleichzeitig ihr Forderungsmanagement auf ein neues und fruchtbares Level zu heben.

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Stephan Scherer
Senior Sales-Manager & Sales Projects Collection Germany

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