Suche
Registrieren

Viele Köche verderben den Brei! Gilt das auch für das internationale Inkasso?

Tanja Musolf
27.09.2020 | 5 minutes
Die Beachtung der verschiedenen Regelungen ist essentiell!

Lokale Vorschriften als Herausforderung – Beispiel Niederlande, Belgien, Frankreich

Fakt ist: Die Gesetzgebung in den verschiedenen Ländern ist unterschiedlich. Das gilt sogar in der Europäischen Union, wo bereits vieles harmonisiert wurde.

Lokale Unterschiede

Unterhalb der höchsten Gesetzgebungsebene unterscheiden sich Länder dann aber doch oft signifikant – sogar in teilweise überlappenden Sprachräumen wie den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Das stellt das internationale Inkasso vor besondere Herausforderungen. Hier einige Bespiele für Unterschiede in der Regulierung des Forderungsmanagements:

  • In den Niederlanden können Inkassogebühren erhoben werden; wenn auch in einem strikt geregelten Rahmen.
  • In Belgien können Mahngebühren in Rechnung gestellt werden, sofern sie verhältnismäßig, gerechtfertigt und durch AGBs vertraglich geregelt sind.
  • In Frankreich ist es nicht erlaubt, Inkassogebühren zu erheben. Inkassobüros erhalten hier einen bestimmten Prozentsatz der beigetriebenen Hauptforderung.

Die Liste spezieller Regelungen und Gesetze in diesen und anderen europäischen und außereuropäischen Ländern lässt sich unendlich fortsetzen und die Tücke liegt im Detail. Da scheint es doch logisch, pro Land „einen Koch“ bzw. einen Inkassodienstleister einzusetzen, der die lokalen Gegebenheiten und den lokalen „Geschmack“ kennt; auch hinsichtlich der kundenorientierten Ansprache säumiger Zahler.

Lokale Vorschriften

Niederlande

Niederlande

Inkassogebühren können erhoben werden.

Belgien

Belgien

In Belgien können Mahngebühren in Rechnung gestellt werden

Frankreich

Frankreich

In Frankreich ist es verboten, Inkassogebühren zu erheben

Die unterschiedlichen lokalen Vorschriften stellen eine große Herausforderung für das internationale Inkasso dar. Beispiele für die verschiedenen Regelungen sind:

Übergreifende Prozessoptimierung versus „Local Cooking“

Durch meine langjährige Erfahrung mit den Besonderheiten im internationalen Inkasso bin ich entschiedene Befürworterin des Einsatzes von lokaler Expertise. Zugleich bin ich jedoch auch ein großer Fan von Transparenz und Prozessoptimierung.

Diese letzteren beiden wichtigen Aspekte leiden allerdings oft, wenn zentral gesteuerte Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit auf verschiedene Länder ausdehnen und jeweils lokale Finanzdienstleister oder Inkassobüros mit der Abwicklung des Forderungsmanagements beauftragen. Spätestens, wenn es um eine einheitliche Umsetzung und die ganzheitliche Prüfung und Verbesserung von Prozessen und deren Ergebnisse geht, werden die Schwächen dieses Vorgehens meist sichtbar. Hier zwei Beispiele:

  • Verschiedene Dienstleister nutzen in der Regel unterschiedliche Methoden oder Schnittstellen für den Transfer der Akten – und die sind nicht alle gleich sicher, schnell und gut bedienbar. Das bedeutet nicht zuletzt Mehrarbeit für die zentrale IT Abteilung bei der Einrichtung, Prüfung und Weiterentwicklung des Datentransfers.
  • Bei unterschiedlichen Inkassopartnern unterscheiden sich Form und Inhalt des Reportings häufig – je nachdem welche Systeme eingesetzt und wieviel Intelligenz und Kreativität in Analyse- und Reporting-Tools gesteckt werden. Für die zentralen Abteilungen ist es dadurch schwierig, die Performance der einzelnen Länder einzuordnen, miteinander zu vergleichen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzudecken.

Trotz guter Einzelleistungen der beitragenden Inkassodienstleister ist es also schwierig, auf diesem Wege ein perfektes Gesamtergebnis zu erzielen.

Wunschprozess oder Wunschpartner?

Um Unzulänglichkeiten des lokalen Ansatzes für das internationale Inkasso zu vermeiden, können Unternehmen natürlich selbst Prozesse definieren und entsprechende Vorgehensweisen von den einzelnen Dienstleistern einfordern. Aber auch hier laufen Unternehmen Gefahr, dass die lokalen Auslegungen und Umsetzungen abweichen. Folglich müssen sie selbst wieder viel Prüfungs- und Koordinationsaufwand betreiben, statt sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Eine Alternative zur Definition und Überwachung der Prozesse im eigenen Hause ist die Einbindung eines zentralen Partners für das internationale Inkasso.

Zentraler Partner

Hier gilt es zu überlegen, was dieser mitbringen sollte. Neben Präsenz und Expertise in den relevanten Ländern, sollten das jedenfalls standardisierte und automatisierte Prozesse zum Datenaustausch, vereinheitlichte und übersichtliche Reports und auch die Überwachung und Verbesserung wichtiger Parameter wie Reaktionszeiten und Kundenzufriedenheit sein. Auch ein zentraler Ansprechpartner für alle Belange der Zusammenarbeit ist wichtig.

Um auf die Ausgangsfrage und mein entschiedenes „Jein“ zu Anfang zurück zu kommen. NEIN, verschiedene Köche bzw. lokale Inkassoexperten verderben grundsätzlich nicht den Brei. Sie sind im Gegenteil sogar unerlässlich, wenn es darum geht, mit den jeweiligen Gesetzen und Marktgegebenheiten richtig umzugehen. Und JA, aus zentraler Sicht können durch rein lokale Partnerschaften zusätzliche Aufwände und ein unvollständiges Gesamtbild entstehen. Es fehlt dann quasi der Maître de Cuisine, also die zentrale Kompetenz und Koordinationsfunktion, die dafür sorgt, dass das Potential im Inkasso optimal ausgeschöpft wird. Dieser kann zum Beispiel ein international agierender Finanzdienstleister sein, der alle Prozesse effizient über eine innovative Plattform steuert.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie Ihr internationales Inkasso durch die Kombination aus lokaler Expertise und zentraler Steuerung optimieren können, sprechen Sie uns gerne an.

Unsere Inkasso Experten

Haben Sie Fragen zum Thema?
Tanja Musolf
Vice President International Key Account Management

Latest Articles

Nachhaltigkeit ist in nahezu allen Lebensbereichen eines der großen Themen unserer Zeit. Auch in der Finanzwirtschaft gewinnt sie zunehmend an Bedeutung – selbst, wenn die Factoringbranche diesbezüglich unter besonderen Bedingungen arbeitet. Unser Autor Justus Gonschorek überblickt den Status Quo und liefert Ideen, mit denen Institute neuen Anforderungen gerecht werden können!
Sustainable Finance - Factoring auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
Justus Gonschorek
07.10.2021
7 minutes
Nachhaltigkeit ist in nahezu allen Lebensbereichen eines der großen Themen unserer Zeit. Auch in der Finanzwirtschaft gewinnt sie zunehmend an Bedeutung – selbst, wenn die Factoringbranche diesbezüglich unter besonderen Bedingungen arbeitet. Unser Autor Justus Gonschorek überblickt den Status Quo und liefert Ideen, mit denen Institute neuen Anforderungen gerecht werden können!
Das Zinsniveau in Deutschland ist auf einem historischen Tiefstand. Dies wirkt sich auch auf das Factoring aus. Im Vergleich zum Kontokorrentkredit gibt es hier jedoch viele Zusatznutzen.
Factoring bleibt eine Alternative
Jan Blume
15.07.2021
3 minutes
Das Zinsniveau in Deutschland ist auf einem historischen Tiefstand. Dies wirkt sich auch auf das Factoring aus. Im Vergleich zum Kontokorrentkredit gibt es hier jedoch viele Zusatznutzen.
Performance meets Customer Experience! Sie wollen wissen, was sich hinter unserem Inkasso-Erfolgsrezept verbirgt? Entdecken Sie unsere Features!
Paigo Collect: Die Zutaten des Inkasso-Erfolgsrezepts
André Breimann
09.06.2021
4 minutes
Performance meets Customer Experience! Sie wollen wissen, was sich hinter unserem Inkasso-Erfolgsrezept verbirgt? Entdecken Sie unsere Features!

Top Articles

People & Culture
Anlässlich des internationalen Coming Out Days berichtet die Intervalor-Kollegin Daniela Santos im Interview über ihre Erfahrungen als geoutete Mitarbeiterin bei AFS und unterstreicht dabei die Bedeutsamkeit eines unterstützenden Netzwerks.
„Ich bin stolz darauf, wer ich bin“
Tamara Schwenk
11.10.2021
3 minutes
Anlässlich des internationalen Coming Out Days berichtet die Intervalor-Kollegin Daniela Santos im Interview über ihre Erfahrungen als geoutete Mitarbeiterin bei AFS und unterstreicht dabei die Bedeutsamkeit eines unterstützenden Netzwerks.
Liquidität & Cashflow
Nachhaltigkeit ist in nahezu allen Lebensbereichen eines der großen Themen unserer Zeit. Auch in der Finanzwirtschaft gewinnt sie zunehmend an Bedeutung – selbst, wenn die Factoringbranche diesbezüglich unter besonderen Bedingungen arbeitet. Unser Autor Justus Gonschorek überblickt den Status Quo und liefert Ideen, mit denen Institute neuen Anforderungen gerecht werden können!
Sustainable Finance - Factoring auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
Justus Gonschorek
07.10.2021
7 minutes
Nachhaltigkeit ist in nahezu allen Lebensbereichen eines der großen Themen unserer Zeit. Auch in der Finanzwirtschaft gewinnt sie zunehmend an Bedeutung – selbst, wenn die Factoringbranche diesbezüglich unter besonderen Bedingungen arbeitet. Unser Autor Justus Gonschorek überblickt den Status Quo und liefert Ideen, mit denen Institute neuen Anforderungen gerecht werden können!
Digitale Transformation
Eine hervorragende Grundlage für intensive und fachliche Gespräche. Rund 500 Gäste hatten dazu den Weg ins STATION Berlin gefunden. Meine Kolleginnen und Kollegen waren am Messestand A5 anzutreffen – ich selbst durfte im Rahmen einer Masterclass unser strategisch neu aufgestelltes AQOUNT O2C Operating System vorstellen.
Accounting Summit 2021 – Innovationen, Order-to-Cash und jede Menge Austausch Ein Rückblick
Michael Rogge
04.10.2021
3 min.
Eine hervorragende Grundlage für intensive und fachliche Gespräche. Rund 500 Gäste hatten dazu den Weg ins STATION Berlin gefunden. Meine Kolleginnen und Kollegen waren am Messestand A5 anzutreffen – ich selbst durfte im Rahmen einer Masterclass unser strategisch neu aufgestelltes AQOUNT O2C Operating System vorstellen.